Chronik

     Chronik des MV Harmonie Alsweiler e. V.

 

Als offizielles Gründungsjahr des Musikvereins Harmonie Alsweiler e.V. gilt das Jahr 1927. Damals fanden sich 12 Männer zusammen, um die Musikinteressierten von Alsweiler in einem Verein zusammen zu führen. Die eigentlichen Ursprünge des Musikvereins dürften allerdings einige Jahre früher zu datieren sein, was sowohl durch mündliche Überlieferung als auch durch einzelne schriftliche Dokumente belegt wird. Eines dieser Dokumente ist das Vereinsbuch des Bienenzuchtvereins aus dem Jahre 1914, in dem die Musikkapelle, anlässlich einer Versammlung mit anschließendem Umtrunk, erwähnt wird. Ferner ist bekannt, dass Jakob Dörr (1883 -1973) als 1. Hornist während seines Wehrdienstes 1905/1906 eingesetzt war. Das entsprechende Leistungsniveau hatte sich Dörr in der Musikkapelle Alsweiler erworben. Ein weiterer Beleg dafür ist die im Jahr 1927 durch den Landkreis St. Wendel durchgeführte Erfassung aller im Kreis tätigen Vereine. Dort ist auch die bisherige Musikkapelle als „Musikverein Alsweiler“ registriert.

Gründungsurkunde

 Schon in den ersten Jahren nach der Vereinsgründung lag der Schwerpunkt der aktiven Vereinstätigkeit in der Durchführung von eigenen Veranstaltungen, der musikalischen Mitgestaltung kirchlicher und weltlicher Feierlichkeiten sowie in der Darbietung von Ständchen.

Allerdings gestattete die soziale und wirtschaftliche Lage der damaligen Zeit nur einigen wenigen den Besitz eines Musikinstrumentes, und das war meist Erbgut.

1936 hatte der Verein, neben den Aktiven, bereits 80 inaktive Mitglieder. Johann Dörr (Trommler) war damals Vereinsleiter, Schriftwart war der Posaunist Albert Böffel, Kassen- und Notenwart war Nikolaus Dörr und Dirigenten waren Hilarius Lermen und Johann Schmitt (Geiger). Instrumentell war der Verein damals, neben den üblichen Blasinstrumenten, auch mit einer Reihe von Streichinstrumenten besetzt. Sonntags wurde abwechselnd in den Gasthäusern Morsch, Staub, Trapp und Neis - jeweils von 13.00 – 17.00 Uhr - geprobt. Durch die Einziehung von aktiven Mitgliedern zum Militärdienst gingen die Aktivitäten des Vereins in den folgenden Jahren immer mehr zurück. Bereits 1940 hatte sich die gesamte Mitgliederzahl des Musikvereins auf weniger als 40 Personen verringert. Nur eine kleine Gruppe älterer Bläser hielt die musikalische Tätigkeit aufrecht.

hl.Komm.1939

Mangels musikalischen Nachwuchses konnte nach Kriegsende nicht sofort eine geordnete Vereinstätigkeit aufgenommen werden. Die musikalische Umrahmung, vor allem von kirchlichen Feierlichkeiten, wurde in dieser Zeit von einer kleinen Gruppe Aktiver, verstärkt durch Musiker aus den umliegenden Ortschaften, insbesondere aus Winterbach, 

Eine entscheidende Wende trat im Jahre 1958 ein, als Bernhard Spohn in der Funktion des Vereinsvorsitzenden und Adolf Gebel als Dirigent, unterstützt durch einen Kreis von Blasmusikliebhabern, dem Verein in unermüdlichem Fleiß ein neues Fundament, bestehend aus jüngeren Musikern, schufen. Es wurde im Dorf Geld zum Kauf von Musikinstrumenten gesammelt. Innerhalb weniger Jahre wuchs die Zahl der Aktiven auf über 30, so dass bereits im Jahre 1961 ein großes Musikfest gefeiert werden konnte, dessen Erlös die finanzielle Grundlage bildete, um die restlichen Instrumente und die zugelegten Uniformen zu bezahlen.

Neue Uniform  1961
Name Dirigenten

 Neben den bereits oben erwähnten Dirigenten waren, nach Adolf Gebel aus Tholey, die folgenden Personen beim Musikverein als Dirigent tätig:

Die aktiven Musiker im Jahre 1977

Die aktiven Musiker im Jahr 1977

Als Vorsitzende des Musikvereins waren die folgenden Personen tätig:

Name der Vorsitzenden

Seit der Vereinsgründung bis zur Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit im Jahr 1958 waren ausschließlich männliche Personen in der Kapelle aktiv. Erst ab Mitte der 60iger Jahre fanden auch Mädchen und Frauen Zugang zur Blasmusik. Vor allem im Flöten- und Klarinettenregister, aber auch an Trompete und Schlagzeug, waren sie sehr präsent, und trugen damit bis heute wesentlich dazu bei, das Leistungsniveau der Kapelle zu verbessern.                             

Marschmusik 1978 in Dirmingen
Pfingsten 1987

Der Musikverein pflegt seit Jahrzehnten ein umfangreiches und vielseitiges Veranstaltungs- und Unterhaltungsprogramm. Längst zur Tradition geworden ist das Osterkonzert am Ostersonntag im Pfarrheim in Alsweiler, das im Jahr 2015 zum 41. Male in ununterbrochener Reihenfolge seit stattfand. Außerdem wirkte die Musikkapelle bei etlichen Gemeinschaftskonzerten in der Pfarrkirche Alsweiler mit.

Außerdem beteiligte sich das Orchester zwischen 1961 bis 2003 regelmäßig an den Wertungsspielen des BSM, bei denen es (seit 1981 in der Oberstufe) mit steigender Erfolgstendenz mitwirkte und 2003 in der Höchststufe mit einem 1. Rang mit sehr gutem Erfolg bewertet wurde.
Besondere Höhepunkte im Vereinsleben waren außerdem die Teilnahme an den Internationalen Wertungsspielen in Brünn/Tschechoslowakei in den Jahren 1991 und 1995 sowie 1993 in Interlaken/Schweiz. Bei den Internationalen Wertungsspielen 1993 in Trier konnte das Orchester ebenfalls überzeugen. 

Musikkapelle im Jahr 1997



Ehrenvolle Einladungen des Deutsch-Brasilianischen Freundeskreises Nordsaarland nach Sao Wendalino/Rio Grande do Sul bzw. der Gemeinde Marpingen nach deren Partnerstadt Simontornya/Ungarn (anlässlich der 10-Jahresfeier der Stadt) in den Jahren 2001 bzw. 2005 konnten jeweils durch eine größere Gruppe von Musikern unseres Orchesters (verstärkt durch einig Aktive der Nachbarvereine) wahrgenommen werden.

Seit 1975 veranstaltet der Verein fast jährlich ein Sommerfest. 1975 und 1976 noch auf dem früheren Sportplatz „Ruddert“, später auf dem Alsweiler Dorfplatz bzw. in und um das Pfarrheim. Seit 2012 wird jährlich ein Sommerfest zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr Alsweiler vor dem Feuerwehr-gerätehaus in der Brunnenstraße veranstaltet. Diese Zusammenarbeit wurde notwendig, da sich die Zahl der Helfer, die bereit waren den Musikverein bei der Durchführung von Veranstaltungen organisatorisch zu unterstützen, in den letzten Jahren stark reduziert hat.

Bis heute bringt sich der Musikverein aktiv in der musikalischen Kultur- und Brauchtumspflege ein. In diesem Sinne stellt er sich bei vielen Anlässen und Gelegenheiten in den Dienst der Öffentlichkeit und der Kirchen. Beispielhaft seien hier die Auftritte am Weißen Sonntag, an Fronleichnam, Martinszug, Volkstrauertag, Seniorennachmittag und Weihnachtsliederspielen an Heiligabend usw. erwähnt.

Umorganisation des Vorstandes

Der demografische Wandel und auch die verbreitet schwindende Bereitschaft des Einzelnen, sich für einen Verein zu engagieren, führten auch im Musikverein dazu, dass immer weniger Personen bereit waren Verantwortung zu übernehmen, d. h. im Vorstand ein Amt zu begleiten und außermusikalisch mitzuarbeiten. Bei vielen herrscht die Meinung vor, wenn überhaupt noch mitwirken, dann aber „von einem gedeckten Tisch aus“.

Weil niemand mehr bereit war, für das Amt des 1. Vorsitzenden zu kandidieren, wurde in der Generalversammlung vom 07. Dez. 2008 eine Satzungsänderung beschlossen, wonach u. a. das Amt des 1. Vorsitzenden aufzulösen und dessen Tätigkeit auf die, gem. neuer Satzung eingeführten, 3 neuen, gleichberechtigten Spartenleiter aufzuteilen ist. Dadurch konnte die Arbeit im Vorstand weiter geführt und der Fortbestand des Vereins gesichert werden. Diese neue Zusammensetzung des Vorstandes in die Sparten „Organisation/Verwaltung“, „Spielbetrieb/Ausbildung“ und „Finanzen“ wird seitdem praktiziert und hat sich bisher bewährt.

Dass der Musikverein, neben der Wahrnehmung einer Vielzahl von alljährlichen Auftritten verschiedenster Art für Kirchen- und Zivilgemeinde, Ortsvereine und sonstige Institutionen, auch im sozialen, kameradschaftlichen Umfeld aktiv ist, belegen die in der Vergangenheit durchgeführten Tages- und Mehrtagesfahrten, Wanderungen und Gemeinschaftsveranstaltungen unterschiedlichster Art. 

Vereinsfahrt 2015 mit Brauereibesichtigung
Musikverein im Jahr 2011

 

Bildung einer Musikgemeinschaft

In den letzten 10, 15 Jahren wurde es immer schwieriger, einen akzeptablen musikalischen Auftritt unseres Orchesters zu gewährleisten. Die Ursachen und Gründe dafür sind sehr vielfältig:

·       Fortschreitende Individualisierung des Einzelnen und damit verbunden

·       Mangelnde Bereitschaft, in irgendeiner Weise Verantwortung zu übernehmen

·       Kaum jemand will sich noch an einen Verein binden, weil er sich dadurch in seiner Freizeitgestaltung eingeengt fühlt. 

Die Folge davon war, dass sich viele MusikerInnen aus dem aktiven Vereinsleben abgemeldet haben, so dass es für den MV immer schwieriger wird, sich in der Öffentlichkeit positiv zu präsentieren.

Gleichzeitig ist es den Vereinen heute kaum noch möglich, die im Laufe der Jahre erfolgten Abmeldungen durch die Gewinnung von jungen MusikerInnen zu kompensieren. Zum einen ist dies darauf zurückzuführen, dass die in den Jahren 1985 bis ca. 2007 regelmäßig durchgeführten Werbeaktionen in der Grundschule von Alsweiler durch die Verlegung nach Marpingen nicht mehr möglich waren und zum anderen, dass die Anzahl der Schüler in den einzelnen Klassen in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist. Waren die Schulklassen vor Jahren noch mit ca. 30 -40 Kinder besetzt, sind es heute nur noch ca. 13. Damals konnten im jährlichen Durchschnitt etwa 5 Kinder für das Erlernen eines Musikinstrumentes begeistert werden.

In Folge dieser Entwicklung ist die Zahl der aktiven Musiker, wie aus der Tabelle der Mitgliederentwicklung ersichtlich, von ca. 50 in den 80iger und 90iger Jahren auf ca. 20 im Jahr 2010 gesunken. Dies wirkte sich nicht nur auf Auswahl und Qualität der Orchesterauftritte aus, nein, auch die Motivation der noch Aktiven litt darunter.

Da diese Entwicklung nicht nur in Alsweiler, sondern saarland- und deutschlandweit zu beobachten war, und schon zu vereinzelten Vereinsauflösungen geführt hat, machten wir uns auch beim MVA Gedanken, wie wir diese Situation verbessern könnten.

Dazu nahmen wir Verbindung mit dem MV Marpingen auf, der sich in der gleichen Lage befand und in den letzten Jahren ebenfalls den Abgang von etlichen MusikernInnen zu vermelden hatte, um die Möglichkeiten eines gemeinsamen Lösungsweges zu erörtern. Nach mehreren Besprechungen, in denen das Konzept einer Zusammenarbeit auf musikalischer Ebene erarbeitet wurde sowie einer fast einjährigen Testphase mit gemeinsamen Proben und gemeinsamen Auftritten, wurde zum 01.07.2012 die Bildung einer Musikgemeinschaft mit dem Namen Musikgemeinschaft Alsweiler-Marpingen beschlossen. Geprobt wurde anfangs blockweise wechselnd in Marpingen (Schulturnhalle) und Alsweiler (Pfarrheim). Da wir als Musikverein Alsweiler, im Gegensatz zu vielen anderen Musikvereinen benachbarter Gemeinden, nie über ein eigenes Probenlokal oder Vereinshaus verfügen konnten, und das Pfarrheim zudem durch andere Vereine sowie kommerzielle Veranstaltungen häufig belegt ist, waren wir gerade durch die Veranstaltungen in der Fastnachtszeit bei den Proben für unser jährliches Osterkonzert oftmals stark gehandicapt. Zurzeit wird überwiegend in Marpingen geprobt, da dort bessere, wenn auch nicht gerade ideale, Probebedingungen vorhanden sind.

Im Jahr 2015 sind über 40 MusikerInnen aus Marpingen und Alsweiler in unserer Musikgemeinschaft aktiv.

Musikgemeinschaft

Neustrukturierung der Jungendwerbung

Nachdem die Grundschule von Alsweiler 2008 nach Marpingen verlagert wurde, kamen die Jugendwerbeaktionen, auch wegen fehlender personeller Möglichkeiten, fast zum Erliegen, so dass in den letzten Jahren nur noch vereinzelt Jugendliche für ein Orchesterinstrument gewonnen werden konnten.

Neuen Auftrieb bekam die Jugendwerbung nach der Bildung der Musikgemeinschaft mit dem MV Marpingen. Denn in dem dazu beschlossenen Konzept wurde auch die gemeinsame Jugendwerbung als eines der Ziele festgelegt (Auszug: Ziele der Musikgemeinschaft (MG) des Musikvereins Harmonie Alsweiler e.V. und des Musikvereins Harmonie Marpingen sind:

·       das Musizieren in einem (überwiegend) gemeinsamen Orchester,

·       das Spielen einer größeren Auswahl von Musiktiteln aufgrund einer besseren Besetzung,

·       das Herbeiführen einer nachhaltigen Motivationssteigerung bei den Musikern,

·       die Bildung eines gemeinsamen Schüler-/Jugendorchesters,

·       die Koordination einer gemeinsamen Jugendarbeit,

·       die Rückgewinnung von ehemaligen Aktiven.)

Im Rahmen der dazu beschlossenen Maßnahmen wurden schon mehrere Werbeveranstaltungen in der Grundschule und Gesamtschule Marpingen durchgeführt. Außerdem werden ab Herbst 2015 verschiedene Kurse für Kinder von ca. 1,5 bis 10 Jahre angeboten. Des Weiteren unterhält die MG eine Jugendgruppe, bestehend aus ca. 15 jugendlichen MusikerInnen, die jeden Freitag unter der Leitung von Edmund Hinsberger in Marpingen proben.

Jugendgruppe im Jahre 2015